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Helden wider Willen – Ankunft in Ænderland

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Artikelnummer: B-HWW
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Beschreibung

Helden wider Willen – Ankunft in Ænderland

 

Fünf Kinder von fünf verschiedenen Kontinenten verschwinden zeitgleich von der Erde. Sie werden in die fantastische Welt von Ænderland verschlagen und dort an unterschiedliche Orte verstreut. Ihnen zeigen sich eine fremde Welt, unbekannte Kulturen und außergewöhnliche Lebewesen. Zuerst auf sich allein gestellt, muss jeder seine eigenen Herausforderungen meistern. Die Suche nach dem Weg zurück in die Heimat führt sie schließlich zueinander. Ihre Reise bringt sie weiter voran, bis klar wird, dass ihnen eine große Prüfung bevorsteht. Doch nur gemeinsam können sie diese Prüfung bestehen und so zu Helden werden. Das Abenteuer nimmt seinen Lauf…

 

Mit farbigen Illustrationen von Anna M. Töws.

 

RAUS

 

Jeder der Fünf fühlte sich in einem Sog gefangen, der
ihn wegriss.
Raus aus der Situation. Raus aus dem Blau.
Raus! Raus! Raus!
Einer unbekannten Oberfläche entgegen. Raus!
Schnaufend, prustend, die Wasseroberfläche durchbrechend.
Luft!

 

AUFTAUCHEN

 

Caitlin brach mit dem Kopf durch die Wasseroberfläche,
die Augen fest zugekniffen. Scham – Schock – Wut. Die
Wut immer schnell zur Hand. Ihre Lunge brannte und
sie rang nach Luft. Luft, die ihr eiskalt und stechend in
Nase und Mund fuhr.
Erschrocken riss sie die Augen auf – und zuckte entsetzt
zurück: Sie befand sich fast Auge in Auge mit einem
zottigen, schwarzen Schatten. Ein Brummen ertönte.
Caitlin schwamm auf der Stelle und versuchte, mehr
zu erkennen. Das war schwierig, denn es war ziemlich
düster. Der Schatten grummelte wieder und kam näher.
Zwei stechende Augen leuchteten auf.
„Geh weg!“, brüllte Caitlin und schwamm rückwärts,
den Blick starr auf die funkelnden Augen gerichtet.
„Hau ab!“
Das Wesen schien zu zögern, dann senkte es den Kopf
zur Wasserfläche. Caitlin zögerte ebenfalls. Wenn es
hineinsprang, war alles vorbei …
Andererseits – wenn es nur Durst hatte, würde es erst
weggehen, wenn es getrunken hatte.
Caitlin war mit Tieren aufgewachsen. Sie beschloss
darauf zu hoffen, dass das Schattenwesen nur trinken
wollte. Und tatsächlich! Es begann, Wasser zu schlürfen.
„Trink … trink“, murmelte Caitlin. Ihr war eiskalt.
Das Wasser konnte nur ein paar Grad haben und der
eisige Luftzug über der Wasseroberfläche biss ihr in die
Ohren, die Nase, die Kopfhaut.
Sie biss die Zähne fest zusammen, damit sie nicht klapperten
und starrte wieder zu dem Schattenwesen. Es
schien fertig getrunken zu haben, hob seinen Kopf und
witterte in ihre Richtung.
„Hau ab“, dachte Caitlin und versuchte, nicht das
leiseste Plätschern zu verursachen. Der Wind wehte ihr
direkt ins Gesicht und sie hoffte, dass dieses Vieh sie
vergessen hatte und nun, weil es ihre Witterung nicht
aufnehmen konnte, wegging.
Der Schatten erstarrte plötzlich und Caitlins Herz
begann zu hämmern. Dann drehte er sich um und verschwand
in der Nacht.
Caitlin begann, sich schwerfällig zum Ufer zu bewegen.
Die Eiseskälte lähmte ihren Körper. Unsichtbare
Gewichte zogen an ihr. Zogen an ihren Beinen, ihren
Armen – sogar ihre Augenlider wurden bleischwer.
Plötzlich stieß ihr Fuß gegen etwas Hartes. Sie tastete mit
dem anderen Fuß nach unten. Boden! Langsam mühte
sie sich weiter. Der Boden stieg sanft an. Sie bewegte
sich mühsam auf das Ufer zu und erkannte, dass es sich
um eine Felskante handelte. Nicht sehr hoch. Eine halbe
Armlänge über ihrem Kopf – eine unüberwindbare Entfernung.
Sie streckte die Arme aus und tastete mit den Händen
nach der Oberfläche des Felsens. Da: rau, Vertrauen erweckend,
Leben versprechend – unerreichbar für ihren
völlig erschöpften Körper.
Sie merkte, wie ihr langsam schwarz vor Augen wurde,
wie sie zurückglitt in die eisige Umarmung des Sees.
„Aufgeben“, dachte sie, „einfach untergehen …“ Ihre
Hände rutschten ab.
Plötzlich fuhr ein schneidender Schmerz durch ihre
Handgelenke. Etwas hatte sie gepackt.
o o o
Zoe tauchte auf, warf die Haare nach hinten und rieb
sich das Wasser aus den Augen. Sie schaute zum Wald
am Ufer und stutzte einen Moment: Er kam ihr auf
einmal viel weiter entfernt vor. Sie ließ sich auf dem
Rücken treiben.
Was war das eben gewesen? Was für Gestalten und was
für ein Sog? Zoe atmete tief ein. Zum Glück war ihr
nicht mehr schlecht.
Plötzlich hatte sie das unbestimmte Gefühl, dass irgendetwas
nicht stimmte. Der Himmel war auf einmal
dunkler geworden. Der Wald so weit weg. Und diese
Stille!
Mit einem Ruck fuhr sie aus der Rückenlage hoch und
drehte sich zum anderen Ufer um. Sie erstarrte. Sie sah
keine Betty, keine Clique.
Stattdessen war da ein Haus auf Pfählen! Es war nichts
zu hören – außer einem regelmäßigen Klack-Klack-
Klack.
Zoe schluckte schwer. Was hatte das zu bedeuten? Wo
war sie? Wo war Betty? Ein mulmiges Gefühl eroberte
Zoes Magen und breitete sich in Arme und Beine aus.
Panik überkam sie.
Das Herz klopfte ihr bis zum Hals. Sie drehte sich
schwimmend um die eigene Achse und sah sich um.
Was sollte sie tun? Sich verstecken? Zum Pfahlhaus
schwimmen?
Was klackerte da so rhythmisch herüber? Zoe lauschte.
War da nicht auch eine Art Sprechgesang? Das Mädchen
schaute unschlüssig hin und her.
Schließlich schwamm sie auf den Pfahlbau zu. Als sie
Boden unter den Füßen spürte, richtete sie sich vorsichtig
und so lautlos wie möglich auf. Jetzt hörte sie ganz
deutlich den fließenden, wogenden Sprechgesang im
Takt mit dem hölzernen Klackern. Zoe war froh, dass
sie sich hinter den Pfählen verstecken konnte und lehnte
sich einen Moment an das dunkle Holz, um zu verschnaufen.
Sie lauschte und schon entfaltete der Gesang
seine magische Wirkung, umrundete ihren Kopf, drang
ihr in die Ohren, erfasste ihren Körper. Er klang sehr
geheimnisvoll.
Silbenstängel – Pusteblume, Heute fest verwoben.
Bläht das Segel, hat die Boote Sachte angeschoben.
Wie in Trance erreichte Zoe die Treppe, die nach oben
zum Haus führte, stieg langsam die Stufen hinauf und
gelangte an die offene Tür.
Drinnen, in einem großen dämmrigen Raum, saß ein
Mann an einem riesigen Webstuhl, der fast den gesamten
Raum ausfüllte. Aus den Tiefen seines Brustkorbs
stieg eine volltönende Stimme auf, bahnte sich ihren
Weg nach oben und brachte die Luft im Raum zum
Vibrieren, vollführte einen Tanz durch alle Höhen und
Tiefen.
Zoe lehnte sich benommen an den Türrahmen und
lauschte, alles um sich herum vergessend.
Schließlich hob die Stimme ein letztes Mal an, überwand
einen Berg und immer leiser werdend kam sie zur Ruhe
und verstarb ganz. Zoe öffnete die Augen und starrte
den Mann an.
Eine Frau erhob sich von ihrer Matte, legte die Handarbeit
zur Seite und hielt einen Moment inne, als sie Zoe
in der offenen Tür bemerkte.
Da drehte sich auch der Mann am Webstuhl zur Tür,
betrachtete Zoe aus unglaublich blauen Augen und
lächelte ihr zu. „Willkommen in unserer Hütte, Mädchen.“
Zoe zuckte zusammen. Mit einem Schlag wurde sie sich
ihrer Situation wieder bewusst: Fremde Leute – fremdes
Haus – fremde Umgebung und – splitterfasernackt!
Oh Gott! Versinken wollte sie. Die Erde sollte sich
auftun, der Himmel sie aufsaugen – irgendwas halt!
Nur weg!
Aber sie konnte sich einfach nicht rühren. Festgeklebt
wie eine Fliege am Klebeband. Hitze stieg ihr prickelnd
in die Kopfhaut, Blut rauschte in ihren Ohren. Tränen
der Hilflosigkeit stiegen ihr in die Augen. Wie durch
einen Schleier sah sie die Frau nach einem Tuch greifen,
das sie Zoe reichte.
Zoe blickte dankbar in die schwarzschimmernden
Augen der Frau und wickelte das Tuch hastig um ihren
Körper. Die Frau trat zur Seite und bedeutete Zoe
einzutreten. Zoe wischte sich die Tränen weg und folgte
der stummen Einladung.
Nun erhob sich auch der Mann. Er war groß, hatte
lange, braune Haare, in die türkise Bänder eingeflochten
waren. Er trug ein weißes, zerknittertes Leinenhemd
und eine abgewetzte Lederhose. An seinem Hals baumelte
an einem Lederband ein Aquamarin in Form eines
Fisches.
„Komm setz dich“, forderte er Zoe sanft auf und wies
auf ein paar Sitzkissen, die um eine polierte Baumscheibe
herum lagen.
„Ich bin Lautbläser und das“, er wies auf die Frau, „ist
meine Schwester Seidenhaar. Und wer bist du?“
o o o
Carlitos nieste – was für eine Welle! Die beste seit Monaten.
Und schon stockte er im selben Moment.
Dunkel war’s, kalt und still. Über ihm, weit oben, war
ein Lichtkreis zu sehen. Nur sehr gedämpft drangen
Geräusche zu ihm herunter. Wo war er?
„Manolo?“ Carlitos drehte sich im Wasser um seine
eigene Achse. „Manolo?“ Carlitos’ Stimme klang
dumpf. Kein Boden unter den Füßen, Steinwände. Er
bekam Angst.
Plötzlich hörte er lautes Gezeter von oben: „Dann hol
ich mir eben selbst Wasser, du Ziege!“
Der Lichtschacht verfinsterte sich und etwas Dunkles
donnerte herunter – genau auf Carlitos zu!
Er drückte sich ganz nah an die Wand. Platsch! Etwas
prallte auf die Wasseroberfläche und begann, mit gurgelnden
Geräuschen unterzugehen.
Carlitos griff schnell danach und ergatterte den Griff
eines hölzernen Eimers. Und da begriff er: Ein Brunnen!
Er war in einem Brunnen gefangen! Aber wie zum
Teufel …?
Bevor er lange überlegen konnte, gab es einen Ruck
am Eimer. Das war seine Chance! Geistesgegenwärtig
klammerte er sich an den Eimer und ließ sich nach oben
ziehen. Die Seilwinde ächzte und knarrte.
„Verdammt!“, fluchte es von oben. „Roxie, hilf mir den
Eimer hochzuziehen!“
Allmählich wurde es heller und Carlitos musste die
Augen zusammenkneifen, als er an den Brunnenrand
gezogen wurde. Ein gellender Schrei zerriss die Luft
und ehe Carlitos die Augen öffnen konnte, spürte er
den Luftzug des Falls. Er schrie auf und schürfte sich
das Knie an der Wand auf. Dann ein Ruck und er hing
wieder in der Luft.
Carlitos keuchte. Seine Arme begannen zu zittern. Er
konnte sich kaum mehr halten. „Hilfe!“, japste er.
„Zieht mich hoch!“ Verzweifelt versuchte er, mit den
Beinen an den Wänden Halt zu finden, geriet aber dadurch
noch mehr ins Trudeln. „Hilfe!“
Im Lichtkreis über ihm erschienen Köpfe. „Hallo, ist da
wer?“, tönte es von oben.
„Zieht mich hoch!“, schrie Carlitos. „Ich kann mich
nicht mehr halten!“
Eine helle Frauenstimme rief: „Schnell, helft mir doch
ziehen! Da ist jemand im Eimer!“
Carlitos hörte unwilliges Gebrummel, aber er konnte
nichts verstehen. Wieder gab es einen Ruck, wieder
ächzte und knarrte die Seilwinde und wieder wurde
Carlitos nach oben gezogen. Diesmal überließ er nichts
dem Zufall, und als der Brunnenrand in Reichweite
kam, griff er mit letzter Kraft danach und hängte sich
mit dem Oberkörper über die warmen Ziegel. Sofort
ergriffen ihn mehrere Hände. Schließlich packte ihn
jemand unter den Armen und stellte ihn auf den staubigen
Boden.
„Teufel noch eins!“, ertönte es über dem Jungen. „Ein
Balg übt im Brunnen schwimmen und wundert sich,
dass es absäuft wie eine Ratte!“
Carlitos blinzelte in das grelle Licht und es dauerte
eine Weile, bis er etwas erkennen konnte. Er legte den
Handrücken über die Augen und sah sich um.
Neben dem Brunnen stand eine Frau mit dunkler Haut,
bunten Gewändern und einem Turban auf dem Kopf.
Sie starrte ihn erschrocken an. Die Stimme über Carlitos
gehörte einem grobschlächtigen Mann in weiten, weißen
Gewändern. Er hatte einen langen, schwarzen Bart, ein
weißes Käppchen auf dem Kopf und einen fetten Ring
mit einem Rubin am Finger.
Von überall auf dem Platz, der von kunstvoll verzierten
und mehrstöckigen Lehmhäusern begrenzt wurde,
liefen Menschen herbei. Sie bildeten eine dichte Mauer
und starrten Carlitos an.
„Oh Gott! Schaut nur … passiert? … aus dem Brunnen
gekrochen wie ein Kläuer … armer Junge … ganz nackt!
… Hölle … bestimmt Angst … wie ist er denn dort
hinein?“, raunte und flüsterte es um ihn herum.
Carlitos war verwirrt. Wo war er? Wo war das Meer?
Wo war Manolo? Er zwickte sich ungläubig ins Ohrläppchen.
„Aua, ist wohl doch kein Traum!“
Die Frau in den bunten Gewändern hockte sich vor Carlitos
hin und betrachtete ihn mit schiefgelegtem Kopf,
als wolle sie ihn etwas fragen. Forschend suchte sie ihn
von Kopf bis Fuß ab und blieb an seinem aufgeschürften
Knie hängen. „Alles okay?“, flüsterte sie.
Carlitos folgte ihrem Blick. Mit Entsetzen stellte er fest,
dass er nichts anhatte. Er wurde rot, hockte sich schnell
auf den Boden und schlang die Arme schützend um die
Beine.
„Lass doch das stinkende Balg in Ruhe, Roxie. Fass es
bloß nicht an. Vielleicht hat es die Fäule. Und ihr“, der
Hüne drehte sich zur Menge, „starrt nicht so! Haut ab,
ihr Gaffer! Geht an eure Arbeit – oder hat einer von
euch sein Balg verloren und will es jetzt abholen, hä?“
Er bückte sich und hob eine Peitsche mit mehreren
langen Riemen auf, die am Brunnenrand gelegen hatte.
Zur Unterstreichung seiner Worte ließ er sie durch die
Luft sausen, dass sie pfiff. Carlitos blickte den Mann
verängstigt an.
„Roxie!“, keifte dieser wieder und die Frau zuckte leicht
zusammen. „Hol endlich das Wasser, du Ziege, ich
habe nicht den ganzen Tag Zeit.“ Roxie hob resigniert
die Augenbrauen, versuchte ein aufmunterndes Lächeln
in Carlitos’ Richtung und erhob sich schwerfällig.
„Und du, Bürschchen …“ Ein boshaftes Grinsen verzerrte
das Gesicht des Mannes, während seine dicke,
behaarte Pranke nach Carlitos griff. Der aber duckte
sich geistesgegenwärtig, sprang zur Seite, drehte sich
und rannte davon, die sich auflösende Menschenmenge
als Schutz nutzend.
„Heeh!“, hörte er es hinter sich herbrüllen, „ich finde
noch heraus, wer du bist, Bürschchen – verlass dich
drauf! Tokka kennt jeden Winkel dieser Stadt!“
Carlitos hörte noch einmal das wütende Knallen der
Peitsche, drehte sich aber nicht mehr um, sondern
sprang geschickt über einen Korb und um die nächste
Häuserecke.
o o o
Rigga räkelte sich gemütlich auf dem Moospolster
und schaute Schweißer in der Ferne beim Arbeiten zu.
Funken flogen wie Sterne in den dunklen Himmel und
die Schweißflamme fauchte wie ein lebendiges Wesen.
Das Gesicht von Schweißer war hinter einer schwarzen
Glasmaske verborgen. Es sah durch die Spiegelung aus,
als stünde es in Flammen. Sein Glasgesicht wohlgemerkt,
denn sein wahres Gesicht hatte noch niemand von der
Truppe gesehen.
Nicht, dass das irgendjemanden störte. Viele, die bei
der Truppe waren, hatten eine Vergangenheit, die sie
mit niemandem teilen wollten. Mussten sie auch nicht.
Voraussetzung für die Aufnahme war nur, dass man
eine besondere Fähigkeit besaß. Es galt immer nur das
Heute. Nie das Gestern oder das Morgen. Wenn du
heute gut warst, warst du dabei. Hattest du es morgen
nicht mehr drauf … nun ja. Der Rat der Metalliker
richtete sich nach strengen Regeln.
Rigga seufzte zufrieden und zog tief an seiner Wasserpfeife.
Es blubberte gemütlich und ein aromatischer
Duft erfüllte die Nacht.
„Biete Fässchen, suche Pfeifchen“, knarrte eine raue
Stimme aus der Dunkelheit.
„Aha, Meister Flex. Herbei, herbei“, grinste Rigga.
Flex ließ sich schwerfällig neben Rigga ins Moos fallen,
ohne jedoch sein kostbares Fässchen zu gefährden.
„Dattelwein! Frisch von den Karawanen aus den Tiefen
der Tamalakane gekauft. Ein Genuss für den aufrechten
Genießer.“ Flex zog zwei wunderbar ziselierte Silberbecher
aus einer der vielen Taschen seiner Lederweste und
schenkte ein. Leise gluckernd füllte die goldene Flüssigkeit
die Becher und durchzog die Nacht mit schwerem
Gewürzaroma.
„Auf dein Wohl, Meister Rigga. Wenn man fragen darf:
Was machst du so spät am Fluss?“
„Auf das Deine, lieber Meister Flex.“ Rigga sog genießerisch
den schweren Duft des Dattelweins ein. „Ich
sitze am Fluss, um Nachtbarsche zu angeln.“ Er zeigte
auf zwei Angeln, die fest im Ufersand steckten. „Nur
leider keine leichte Beute. Sie sind so misstrauisch, die
Guten.“
„Wer würde auch schon in deinem gierigen Bauch enden
wollen?“, lachte Flex und zog an der Wasserpfeife.
Es blubberte. Dann platschte es. Die Metalliker drehten
sich zu dem Geräusch. Es platschte wieder und eine der
Angeln bog sich durch. Flex sprang mit einer Behändigkeit
auf, die man seiner Körperfülle nie zugetraut hätte.
„Schnell, Rigga, es hat etwas angebissen!“
Rigga war mit einer geschmeidigen Bewegung an der
Angel und begann, die Leine einzuholen. Sie sirrte und
sang gegen das Ziehen unter Wasser an. Rigga warf sein
ganzes Gewicht nach hinten.
Ein Körper kam an die Wasseroberfläche. Schwarz in
der Schwärze. Rigga holte die Leine ein, bis der Körper
am Ufer lag. Merkwürdig schwer und leblos.
„Das ist aber kein Nachtbarsch, Meister Rigga“, bemerkte
Flex verblüfft.
Rigga näherte sich dem Körper und drehte ihn mit
einem kräftigen Ruck um. Ein leblos wirkendes Gesicht
mit aufgerissenen Augen starrte blicklos in den Nachthimmel.
„Der ist hin“, bemerkte Flex nüchtern.
Rigga ging in die Knie und blickte nachdenklich auf die
Leiche. Dann drückte er plötzlich beide Fäuste in die
Magengrube des Toten. Ein Krampf schüttelte den leblosen
Körper und mit würgenden Geräuschen begann
er, Wasser zu spucken.
„Ganz schön laut für einen Toten …“, grinste Rigga.
Die Gestalt richtete sich mühsam auf und starrte die
beiden Männer verschwommen an.
„Wo bin ich?“, fragte Thaba.
Rigga grinste noch breiter. „Die richtige Frage an diesem
Ort lautet: Was kannst du, mein Junge?“
o o o
Mit einem Brennen in der Lunge strampelte Jamal nach
oben. Plötzlich stieß er gegen eine harte Fläche. Doch
außer einem hellen Blau konnte er nichts erkennen.
Panik überkam ihn.
Verzweifelt änderte er die Richtung. Wieder stieß er
gegen die Fläche. Seine Lunge schmerzte wie verrückt.
Luft! Wo war oben?
Er änderte wieder die Richtung, verfluchte seine Kurzsichtigkeit.
Wo war oben? Wieder knallte er gegen die
glatte Fläche.
Wo war oben in diesem verdammten Swimmingpool?
„Ich kann nicht mehr“, dachte er. „Aufgeben! Eingehen
in die Hall of Fame!“ Der Schmerz in seiner Lunge war
so unerträglich geworden, dass er Jamal einhüllte wie
eine Decke. Ein Dröhnen im Kopf. Ein Fiepen in den
Ohren.
„Ich sterbe“, dachte Jamal verwundert. „Ertrinke im
Pool. Wie absurd.“
Klappe, die Fünfte.
Der Held hört auf, sich zu wehren.
Sein Körper wird schwerelos. Langsam steigt er nach
oben.
Das Blau verändert sich und wird zu einem durchsichtigen
Rosa.
Nichts schmerzt mehr. Er ist ganz leicht. Alle Last ist
von ihm genommen.
Schnitt.
Jamal holte tief Atem. Was für ein schönes Bild. Noch
ein Atemzug.
Wieso Atemzug? Hastig schnappte er nach Luft. Ja!
Da war wieder Luft. Jamal sog die Luft gierig ein, als
ob er noch nie geatmet hätte. Er konnte immer noch
nichts sehen, außer einem zarten Rosa. Sein Körper
trieb immer noch schwerelos im Nichts. „Wahnsinn!“,
dachte Jamal. „Wenn das ein Film wäre, müsste ich
gleich an einem weißen Sandstrand am blauen Ozean
erwachen.“
Plötzliche Schwere erfüllte seinen Körper. Er wurde
nach unten gezogen. Millionen kleinster Körnchen
bohrten sich in seinen Rücken. Jamal blinzelte. Wo war
die blöde Brille? Sofort spürte er ein vertrautes Gewicht
auf der Nase. Er blickte durch die Brille und sah Blau.
Er hob den Kopf. Ein blauer Ozean erstreckte sich vor
ihm. Er setzte sich auf, saß im weißen Sand eines einsamen
Strandes. Palmen? – Natürlich gab es Palmen, die
den Strand an einer Seite in die Unendlichkeit säumten.
„Wahnsinn!“, dachte Jamal wieder. Dann ließ er sich
völlig überwältigt in den warmen Sand kippen und
schlief sofort ein.

 

 

Wir bei Matabooks verwenden ausschließlich Rohstoffe aus Bioanbau und unsere Produkte sind “Made in Germany”. Das Gras für unser Papier kommt aus der Schwäbischen Alb und wird von Heubauern geerntet, sonnengetrocknet und schließlich zu Graspapier weiterverarbeitet. Matabooks sorgt für faire und soziale Arbeitsbedingungen in allen Unternehmensbereichen, zudem unterstützen wir Projekte mit ähnlichen Schwerpunkten. Dafür spenden wir einen Teil des Erlöses von jedem verkauften Buch an gemeinnützige Organisationen. Außerdem ermöglichen wir besonders kreativen jungen Menschen, ihre Werke und Arbeiten bei Matabooks zu veröffentlichen. All unsere Produkte haben recycelte Bestandteile und sind selbst recyclebar! Mit unseren Produkten unterstützen wir so das natürliche Geben und Nehmen im Lebenskreislauf. Der Name Matabooks leitet sich von dem Wort “Mutter” in der indischen Ursprache Sanskrit ab. Für uns ist es der Ausdruck von Respekt gegenüber “Mutter Natur”.

 

Ebenso wichtig für uns:
• Die Produktion unserer Bücher ist besonders ressourcenschonend. Der Buchdeckel besteht aus Graspapier (bis zu 50% Grasfaseranteil, Frischfaseranteil aus FSC-zertifizierten Wäldern). Die Seiten bestehen vollständig aus 100% kompostierbarem Süßgraspapier, welches aus Reis und Zuckerrohr hergestellt wird.
• Darüber hinaus ist unsere Produktion schadstoffreduziert und vegan. Wir achten stets auf ökologische und nachhaltige Produktion.
• Dafür verzichten wir auf Industrieklebstoffe wie PUR oder Hotmelt.
• Unsere Druckfarben sind frei von Mineralöl und bestehen aus rein pflanzlichen, nachwachsenden Rohstoffen.

Zusätzliche Information

Gewicht 0.275 kg
Größe 19 × 12 × 1.5 cm
TARIC Code

49019900

Seitenzahl

296

Format

190 × 120 mm

Material

Graspapier, Süßgraspapier

Grammatur

90 g/m²

Art der Bindung

Klebebindung

Farbe

Farbig, Natur, Schwarz

Autor

Molly Spitta, Nathalie Martius

EAN / 13-stellige ISBN

ISBN 9783947681105

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